Die Hammaburg lag auf einem Geestsporn, einer Halbinsel im Mündungsgebiet von Alster, Bille und Elbe. Ein Stück Land also von Norden und Westen geschützt durch die Alster und im Süden durch die Elbe. Hamm oder auch Hamme bezeichnete ein Ufergelände und ist im altsächsischen ein Wort für eine „umzäunte Wiese“ oder eine „abgegrenzte Bucht“. Die Siedlung ist etwas höher gelegen auf einer leichten Anhöhe und damit geschützt vor Wasser.

Rekonstruktion der Hammaburg im heutigen Stadtbild.
Quelle: Archäologisches Museum Hamburg

Der Name könnte also von einer sehr frühen Siedlung eines sächsischen Fürstenhofes stammen, die hier im 8. Jahrhundert angesiedelt gewesen war. Fernhändler nutzten den Höhenweg auf der Geest entlang der Elbe schon seit langer Zeit. Durch eine Furt gelangte man durch die Alster. An dieser verkehrsgünstig gelegenen Stelle, die zudem vom Hochwasser geschützt war, errichteten die Franken um das Jahr 810 einen Missionsstützpunkt. Dazu gehörte ein kleiner Hafen und in der Siedlung lebten neben einigen Geistlichen auch Händler, Handwerker, Bauern und Fischer.


Die Burg in der ham (700 n. Chr. – 800 n. Chr.)
Quelle: Archäologisches Museum Hamburg

Zu der Siedlung gehörte auch eine mit Erdwällen und Gräben befestigte Burganlage des Grafen. Diese Ringburg hatte eine Durchmesser von 70 Metern und lag genau dort, wo heute der Dom-Platz in Hamburg ist.

Im Jahre 834 schickte Kaiser Ludwig der Fromme (Sohn Karls des Großen) den Benediktinermönch Ansgar als Missionsbischof nach Hammaburg um den Norden zu christianisieren. Außerhalb der Burg, vermutlich dort wo heute die Petri-Kirche steht, baute Ansgar eine Kirche und ein Kloster, brachte eine Bibliothek und Reliquien zur Verehrung von Heiligen nach Hammaburg und trug dazu bei, dass Burg und Siedlung zu einem wichtigen Missionsstützpunkt wurden. Die Kirche war vermutlich 10m lang und 5-6m breit, aus Holz gebaut und mit einem einfachen Dach.

Doch die Aufgabe ist nicht einfach gewesen. Slawen und Wikinger ließen sich nicht einfach zum christilichen Glauben bekehren, denn Verpflichtungen wie Abgaben an die Kirche und Tribute gegenüber den weltlichen Herschern waren wenig attraktive Argumente.

So kam es in der Abenddämmerung des Jahres 845 zu einem Angriff der Wikinger. Es sollen wohl 600 Schiffe gewesen sein, mit denen sie am Ufer der Elbe angelandet sind. Der Burgherr Graf Bernhard ist nicht da gewesen und so versucht Ansgar die Siedlung zu schützen – vergebens. Viele Bewohner konnten fliehen, viele fanden den Tod oder sind in die Sklaverei verschleppt worden.Im Osten der Hammaburg, also zwischen Alster und Elbe wurde immer wieder ein Wall aufgeschüttet, um die Angreifer aus dem Osten abzuhalten; leider mit nur mäßigem Erfolg.

Einige Bewohner, die fliehen konnten, kehrten zurück. Ansgar, der auch fliehen konnte, ging nach Bremen und kehrte nicht nach Hammaburg zurück. Immer wieder kam die Christianisierung zum Erliegen, weil Wikinger und heidnische Slawen die Hammaburg angriffen, so z.B. 880.

Im Jahr 893 erhob der Papst den Ort zu einem Erzbistum. Dieser Schritt ließ die Stadt wachsen und unterhalb der Burg, am heutigen Schopenstehl, entstand der älteste Hamburger Hafen am Reichenstraßenfleet. An einem 120 Meter langen und sechs Meter breiten hölzernen Landungssteg machten erste Handelsschiffe fest. Archäologen fanden Nachweise bei der Rolandsbrücke und dem Dornbusch, nahe der Domstraße und des Alten Fischmarkts. Der Reichenstraßenfleet wurde 1877 zugeschüttet, sein Verlauf nördlich der Kleinen und der Großen Reichenstraße ist noch anhand von Straßennamen nachzuvollziehen: die KattrepelsbrückeRolandsbrücke und Börsenbrücke sind keine Flussüberführungen mehr und sowohl Neß (Nase beziehungsweise Landzunge) wie Hopfensackbezeichnen ehemalige Sackgassen, die am Wasserlauf endeten. Zahlreiche Händler und Handwerker errichteten Wohnhäuser und Werkstätten und auf der gegenüberliegenden Reichenstraßeninsel entstand ein Ufermarkt.

Reichenstraßenfleet auf Höhe der Kleinen Reichenstraße, um 1850; Blick vom Hopfensack Richtung Westen

Anmerkung: Lange galt Karl der Große als Gründer der Hammaburg und damit Hamburgs. Zwischen dem Kaiser und der Hammaburg gibt es jedoch  keine nachweisliche Verbindung. Die Hammaburg entstand als sächsische Befestigung lange vor der Unterwerfung Sachsens durch Karl den Großen. Erst sein Sohn, Ludwig der Fromme, machte Hammaburg zum Hauptort Nordelbiens.

WER WAR ANSGAR?

Erzbischof Ansgar (801-865) in einem historischen Tafelbild
Quelle: Archäologisches Museum Hamburg

Über Ansgar (801–865) sind wir ungewöhnlich gut informiert, weil seine Lebensgeschichte durch seinen Schüler Rimbert in der Vita Anskarii aufgeschrieben worden ist.Ansgar erhielt seine Ausbildung zum Priester im nordfranzösischen Corbie, von wo er 823 in das neu gegründete Kloster Corvey entsandt wurde.Seine erste Missionsreise führte Ansgar 826 nach Dänemark, 829 reise er nach Schweden. 834 wurde er durch Ludwig den Frommen in den künftigen Missionsstützpunkt Hammaburg berufen, wo er bis zur Zerstörung des Ortes durch die Wikinger 845 blieb. Er entkam nach Bremen und übernahm den dortigen Bischofsstuhl, den er bis zu seinem Tod 865 innehatte. (mehr)

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